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15. Die Dampfturbinen

Eine neue von der Kolbendampfmaschine durchaus verschiedene Konstruktion hat sich seit ein paar Jahren ein immer größeres Anwendungsgebiet verschafft, nämlich die Dampfturbine.

2 Systeme von de Laval und von Parsons haben gegenwärtig (1905 !) die größte Verbreitung, während sich eine Reihe jüngerer Konstruktionen noch in den Anfängen der Entwicklung befindet. Allen Systemen ist gemeinsam, daß das Arbeitsvermögen des Dampfes in Turbinenrädern ähnlich wie bei den hydraulischen Turbinen ausgenutzt wird, und zwar nachdem der Dampf zuvor in die Form des Arbeitsvermögens der Bewegung gebracht ist. Es kommt also nicht in erster Linie die Dampfspannung zur Geltung, sondern die durch die Spannung erzeugte Dampfgeschwin-digkeit.
Bei der Laval - Dampfturbine geschieht diese Umsetzung des Dampfdruckes in Geschwindigkeit auf einmal mit Hilfe besonderer Expansionsdüsen, von denen 4 bis 8, im Kreise angeordnet, dem Laufrade den Dampf zuführen. (Abb.24)
Die Dampfgeschwindigkeit beträgt 800 bis 1000 m pro Sekunde; dementsprechend ist auch die Umlaufszahl der Laufradwelle sehr hoch und beträgt je nach dem Durchmesser des Laufrades 10000 bis 30000 Umdrehungen pro Minute. Das Drehmoment wird durch ein Zahnradgetriebe auf eine langsamer laufende Welle übertragen, weil so hohe Umdrehungsgeschwindigkeiten praktisch nicht zu verwerten sind. Die Kondensation des Abdampfes kann ebenfalls mit Erfolg angewendet werden; es brauchen nur die Düsen eine andere Form als beim Auspuff zu haben; die Regulierung erfolgt durch ein Drosselventil. In Deutschland werden die de Lavalschen Turbinen von der Maschinenbauanstalt Humboldt in Kalk für Leistungen bis zu 300 PS angefertigt und besonders zum Antrieb von Dynamomaschinen, Pumpen und Ventilatoren gebraucht. (Abb.25)

Bei der Parsons - Dampfturbine, die in Deutschland von Brown, Boveri & Co. in Käferthal bei Mannheim gebaut wird, geht die Umsetzung des Spannungsgefälles in Geschwindigkeit stufenweise vor sich, indem der Dampf mehrere Schaufelräder hintereinander durchströmt und sich dabei allmählich auf das dem Atmosphärendruck entsprechende Volumen ausdehnt. Die Laufräder sind im Gegensatz zu der de Laval-Turbine voll beaufschlagt, der austretende Dampf strömt ins Freie oder in einen Kondensator.
Die Regulierung erfolgt in sinnreicher Weise durch Einwirkung des Zentrifugalregulators auf das bei normalem Betriebe auf und ab pendelnde Einlaßventil, so daß die Öffnungsperioden verlängert oder verkürzt werden.
Durch die mehrstufige Expansion in den hintereinander geschalteten Laufrädern hat man eine solche Herabsetzung der Umlaufszahl erreicht, daß für die meisten Zwecke eine Übersetzung ins Langsame nicht mehr nötig ist.
Während eine der ersten von Parsons in England gebauten 10 PS -Dampfturbinen noch 18 000 Umdrehungen pro Minute machte, werden neuerdings 500 PS -Dampfturbinen mit 3000 und 5000 PS -Maschinen mit 1300 Umdrehungen pro Minute gebaut.
(eine der letzteren Abb.26)
Die Vorzüge der Dampfturbinen, die sie in der kurzen Zeit ihrer Entwicklung zu erfolgreichen Mitbewerbern der Kolbendampfmaschinen gemacht haben, bestehen darin, daß während der ganzen Umdrehung gleiche Drehmomente auf die Welle wirken, daß keine hin und her gehenden Teile vorhanden sind, somit die Drehbewegung von selbst gleichförmig und ein Schwungrad nicht erforderlich ist. Dieser Vorzug kommt besonders da zur Geltung, wo die beabsichtigte Bewegung ebenfalls eine gleichförmige Drehbewegung ist, wie bei elektrischen Maschinen, also die mit Arbeitsverlust verbundene Umsetzung der hin und her gehenden Bewegung in die Drehrichtung nicht nötig ist.

Der Dampfverbrauch ist nicht größer als bei guten Kolbendampfmaschinen. Die hohen Umlaufgeschwindigkeiten gestatten kleine Abmessungen auch der angetriebenen Maschine, daher geringes Gewicht und geringen Raumbedarf. Weil keine hin und her gehenden Massen zu beschleunigen und zu verzögern sind, ist der Gang ruhig, so daß man mit billigen Fundamenten auskommen kann.
Das neueste Gebiet, in das die Dampfturbinen einzudringen bestrebt sind, ist das der Schiffsmaschinen; auch hier sind die oben erwähnten Vorzüge von hoher Bedeutung.

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