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1. Der Schornstein und seine Wirkung

Zu einer vollständigen Dampfmaschinenanlage gehört außer den Kesseln und Maschinen eine größere Anzahl von Einrichtungen, die teils für jeden einfachsten Betrieb unumgänglich nötig sind, teils dazu dienen, gewisse durch die örtliche Lage bedingte Schwierigkeiten zu überwinden, oder die Ausnutzung der Brennstoffe zu verbessern. Die Gesamtheit der mit den Dampfmaschinen vereinigten Teile bezeichnen wir als Maschinenanlage.
Bei der Beschreibung der Dampfkessel haben wir gesehen, daß dem Brennstoff eine bestimmte Luftmenge zugeführt werden muß, um die Verbrennung zu unterhalten, dazu müssen die Verbrennungsprodukte auf bestimmten Wegen an den Kesselwandungen entlang geführt werden. Da die Bewegung der Gase gegen einen gewissen Reibungswiderstand arbeitet, so muß eine treibende Kraft vorhanden sein, die der Schornstein liefert. Dessen zweite wichtige Aufgabe es, die Verbrennungsprodukte so hoch in die Luft zu treiben, daß sie der Nachbarschaft nicht schädlich oder lästig werden.
Die treibende Kraft des Schornsteins kommt dadurch zustande, daß die in ihm befindlichen erwärmten Gase ein geringeres Gewicht haben als die sie umgebende kalte Luft, und daher nach dem Gesetz der kommunizierenden Röhren emporsteigen, indem sie über dem Rost einen luftverdünnten Raum erzeugen, in den die kalte Luft strömt. Der Überdruck, mit dem das geschieht, beträgt 9 - 15 mm Wassersäule (0,0009 - 0,0015 bar), je nach dem Widerstand, den die Gase auf ihrem Weg durch die Feuerungsanlage zu überwinden haben.
Bei der Bemessung des Querschnittes, den den Heizgasen zur Verfügung stehen muß, ist zu bedenken, daß zur Verbrennung von 1 kg Steinkohle etwa 16 m3 Luft zugeführt werden müssen, die entstandene Gasmenge aber wegen der erhöhten Temperatur einen bedeutend größeren Raum einnimmt.
Auf dem Wege durch den Kessel fällt die Temperatur infolge der Wärmeabgabe. Während die Verbrennungs-temperatur 900 - 1400° C. beträgt, ist die Temperatur der Heizgase im letzten Teil der Rauchkanäle, den man den Fuchs nennt, bis auf 500 bis 170°C. gesunken. An dieser Stelle ist der Querschnitt gleich 1/4 der Rostfläche, in den ersten Zügen vom Rost aus etwa gleich 2/5 desselben.
Die Größe des Schornsteinquerschnittes an der oberen Mündung hängt von der Menge des in einer Stunde verbrauchten Brennstoffes ab, die Höhe von der Stärke des erforderlichen Zuges, d.h. des Überdruckses am Rost.
Bei langsamer Verbrennung der Kohlen auf verhältnismäßig großer Rostfläche brauchen wir geringe Höhe bei großem Querschnitt; umgekehrt ist bei starker Beanspruchung des Rostes die Geschwindigkeit der Gase und die Schornsteinhöhe größer. Unter normalen Verhältnissen beträgt die Kaminhöhe 20 - 40 m, doch kommen auch erheblich höhere Schornsteine vor (unser Schornstein draußen ist 58 m hoch!).
Die Schornsteine werden am besten aus Radial-Formsteinen mit Zementmörtel gemauert. Als Querschnitt ist die Kreisform am günstigsten, weil sie im Innern den geringsten Reibungswiderstand für die Rauchgase, andererseits dem Winddruck die geringste Angriffsfläche bietet.
Weil der Schornstein als höchstes Bauwerk seiner Umgebung Blitzschlägen besonders ausgesetzt ist, ist er mit einem Blitzableiter zu versehen; um ihn nachsehen und ausbessern zu können, werden beim Bau schon Steigeisen eingemauert.
Um mit dem geringsten Aufwand an Baustoffen doch in jedem Querschnitt genügenden Widerstand gegen den Winddruck zu haben, läßt man die Wandstärke der runden Schornsteinsäule, die oben 14 cm beträgt, nach unten hin in Absätzen von 5 m um je 5 cm zunehmen.
Das Fundament ist in der Regel quadratisch, seine Größe richtet sich nach der Tragfähigkeit des Baugrunds.
Zwischen Fundament und Schornstein wird häufig noch ein Sockel von vier- oder achteckigem Querschnitt von 1/6 der Schornsteinhöhe eingefügt und im Innern mit feuerfesten Steinen ausgemauert.
Kann der Schornstein aus besonderen Gründen nicht eine solche Höhe haben, daß der natürliche Zug genügt, so erhöht man den Zug durch saugende Dampfstrahlgebläse oder Ventilatoren.
Besondere Verhältnisse liegen bei den Lokomotiven und Schiffsmaschinen vor, gemauerte Schornsteine sind dort wegen ihres Gewichts natürlich ausgeschlossen, und es werden nur solche aus Eisenblech verwendet. Die Höhe ist ebenfalls beschränkt, namentlich für den Lokomotivschornstein. Damit in diesem dennoch ein genügender Zug erzeugt wird, läßt man den verbrauchten Dampf durch ein Blasrohr mit kegelförmiger Öffnung in den Schornstein strömen, wodurch die Luft der Rauchkammer mitgerissen und ein luftverdünnter Raum erzeugt wird. Man hat dabei einen Gegendruck von 1 - 2 bar in Kauf zu nehmen, der die Wirkung des Dampfes herabsetzt.
Die Schornsteine der Schiffskessel können eine größere Höhe haben; bei Schnelldampfern kann diese von Rost bis zur Schornsteinmündung 32 m betragen, so daß es möglich ist, mit natürlichem Zug zu arbeiten. Sollten jedoch die Kessel stark angestrengt werden, so muß man auch hier künstliche Zug zu Hilfe nehmen. Dies geschieht entweder durch saugende Ventilatoren, die in den Zug der Rauchgase eingebaut sind, oder durch Ventilatoren, die Luft in den Feuerungsraum hineindrücken; dabei wird ein Überdruck von 25 - 100 mm Wassersäule (0,0025 - 0,01 bar) verwendet. Üblich ist diese Zugerzeugung bei Kriegsschiffen. Dabei sind zwei Verfahren zu unterscheiden: Die Luft wird entweder direkt unter den Rost geleitet und durch Vorbeiführung an den Rauchkammertüren noch auf 100°C. vorgewärmt oder sie wird in den luftdicht abgeschlossenen Heizraum hineingedrückt.


2. Die Dampfüberhitzer

Zu den Mitteln, die in wirksamer Weise die Ausnutzung der Wärme zu verbessern gestatten, gehört vor allem die Überhitzung des Dampfes und die Vorwärmung des Speisewassers.
Der Unterschied zwischen gesättigtem und überhitztem Dampf ist bereits vorher klargelegt worden; daraus läßt sich das Verhalten des gesättigtem Dampfes auf seinem Wege zur Maschine und beim Eintritt in sie verstehen. Auch wenn die Rohrleitung mit Wärme isolierenden Stoffen umhüllt ist, so strahlt sie doch Wärme aus, die vom Dampf herrührt; entsprechend dieser Wärmeabgabe kondensiert Dampf an den Rohrwandungen und muß abgeschieden und fortgeleitet werden.
Aber auch im Zylinder selbst bildet sich wieder Wasser durch Kondensation des Dampfes an den Wandungen, und zwar schon während der Einströmung, noch mehr aber während der Dampfdehnungsperiode. Dadurch verläuft die Dehnungskurve des Diagramms tiefer, und die Arbeitsleistung wird geringer. Durch Heizung des Zylinders mit Dampf sucht man diese Wirkung der Abkühlung zu verringern, doch kostet diese Heizung wiederum Dampf.
Wird nun dem Dampf, wenn er eben den Kessel verlassen hat, noch Wärme zugeführt, so erhöht sich seine Temperatur und er wird überhitzt. Er kann nun auf dem Wege durch die Rohrleitung eine gewisse Abkühlung erfahren, ohne zu kondensieren; es wird also diejenige Wärme gespart, die mit dem Kondenswasser fortgeht, auch an der Maschine ist der Abkühlungsverlust geringer, weil der überhitzte Dampf nicht so leicht Wärme an die Wandungen abgibt, wie das niedergeschlagene Wasser. Die Gefahr der Wasserschläge, die durch Ansammlung von Wasser zwischen Kolben und Zylinderdeckel entsteht und leicht eine Zerstörung der Maschine herbeiführen kann, ist sehr verringert. Schließlich kann man bei überhitztem Dampf eine Dampfgeschwindigkeit von 60 m / s gegenüber 25 - 30 m / s bei gesättigtem Dampf zulassen, wodurch die Rohrleitung kleineren Durchmesser erhalten kann.
Der Vorteil der Dampfüberhitzung beruht aber nicht etwa auf einer Ausnutzung der sonst mit den Heizgasen in den Schornstein ziehenden Wärme. Denn da die übliche Temperatur, auf welche man den Dampf bringt, 250 bis 300°C. beträgt, so muß die Temperatur der Heizgase höher sein, damit noch Wärme der Heizgase auf den Dampf übergehen kann. Bis auf 300° herab werden aber in normalen Kesselanlagen die Heizgase sowieso ausgenutzt. Man baut die Überhitzer daher in der Regel nicht in den Zug zwischen Kessel und Schornstein, sondern an eine Stelle der Feuerzüge des Kessels ein, an der die Heizgase eine höhere Temperatur, 500 - 600° haben. Die Überhitzer werden besonders nach zwei Konstruktionen ausgeführt.
Der Schwörersche Überhitzer besteht aus weiten gußeisernen Röhren, die innen mit Längsrippen und außen mit radialen Rippen versehen und durch Bogenstücke schlangenförmig miteinander verbunden sind. Durch die Rippen wird eine besonders große Heizfläche erzielt.
Die zweite Konstruktion hat glatte schmiedeeiserne Rohre von 25 - 35 mm lichter Weite. Der Dampf wird durch diese Rohre in einer Reihe paralleler Strahlen in schlangenförmigen Windungen durch den Überhitzer hindurch geführt, während die Heizgase in senkrechter Richtung durch das Rohrbündel hindurch ziehen.
Die Nachteile, die man anfangs von der Anwendung der Überhitzung zu befürchten hatte, daß bei den hohen Temperaturen die Schmierung der Dampfmaschine versagen und die Stopfbüchsenpackung verbrennen könnte, werden jetzt durch Anwendung von Mineralschmierölen und Metallpackung vermieden.


3. Die Vorwärmer

Diese Apparate dienen dazu, sonst unbenutzt fortfließende Wärme dem Maschinenbetriebe zuzuführen. Es werden auch hier zwei grundsätzlich verschiedene Ausführungen unterschieden:
Die erste ist nur bei Auspuffmaschinen verwendbar. Man führt den Abdampf der Maschine, bevor er ins Freie ausströmt, durch ein System von u -förmig gekrümmten kupfernen Röhren hindurch, die sich in einem schmiedeeisernen Behälter befinden, dessem unterem Ende das kalte Speisewasser zugeleitet wird, während oben das erwärmte abfließt.
Bei der zweiten Anordnung, die zuerst von Green in England ausgeführt wurde, wird ein Teil der Wärme der abziehenden Heizgase auf das Speisewasser übertragen.
Die Vorrichtung (Abb.36) besteht aus gußeisernen Rohren von etwa 10 cm Innendurchmesser, die oben und unten alle miteinander verbunden sind und in der Richtung von unten nach oben von Wasser durchflossen werden, während die Heizgase quer durch das Bündel hindurchgehen. Die Temperatur des Speisewassers kann in diesen Apparaten auf 120°C. gebracht werden, wenn die Gase mit 250° aus dem Vorwärmer austreten. Am auffallendsten zeigt sich die kohlensparende Wirkung, wenn der Kessel für sich allein nicht mit gutem Wirkungsgrad gearbeitet hatte. Wird dagegen die Wärme der Feuerung von der Heizfläche des Kessels, wenn sie recht groß ist, in solchem Maße aufgenommen, daß die Temperatur gering ist, so kann in dem Vorwärmer eine weitere erhebliche Wärmeabgabe nicht mehr stattfinden. Eine gewisse Temperatur der Heizgase darf nicht unterschritten werden, wenn der Schornstein nichts an Zugwirkung einbüßen soll.
Ein weiterer Vorteil der Vorwärmung des Speisewassers besteht darin, daß der Kessel mehr geschont wird, als bei der Speisung mit kaltem Wasser, das durch Temperaturunterschiede Spannungen in den Kesselblechen verursacht.

Von der Flugasche, die sich aus den Heizgasen an den Rohren ansetzt, werden diese durch eine mechanisch angetriebene Rußschabevorrichtung gereinigt. Damit der Vorwärmer ohne Unterbrechung des Betriebes nachgesehen werden kann, ist parallel zum Vorwärmer ein Rauchkanal anzuordnen, durch den die Gase zum Schornstein geleitet werden können, während das Wasser ohne Vorwärmung in den Kessel gepumpt wird.

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