Frankenberger Zeitung (WLZ-FZ) vom 25. August 2005
Dampfmaschinenmuseum
soll zu Museum zur Industriegeschichte Nordhessens
ausgebaut werden
"Lücke
in Museumslandschaft schließen"
Frankenberg (rou) Noch ist es eine Vision, doch so
unrealistisch erscheint sie nicht: Frankenberg soll ein über die
Kreisgrenzen hinaus bekannter und beachteter Museumsstandort
werden. Ein Kulturhistoriker hat gestern ein erstes Rohkonzept
vorgelegt, wie deas Dampfmaschinenmuseum im Unternehmenspark Nord
mit seinen 80 Exponaten verändert werden könnte - zu einem
Publikumsmagneten. Laut des Experten sind 10.000 Besucher im Jahr
nicht utopisch. Museumsthema soll die nordhessische
Industriegeschichte sein.
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Sind ueberzeugt, dass
Frankenberg mit dem Dampfmaschinenmuseum zu einem beachteten Museumsstandort entwickelt werden kann --von links: Günter
Beil, Martin Staudt, Heinz Malewschik (Fotos: rou) |
| Kulturhistoriker Dr.Thilo
Warneke hat ein Rohkonzept zur Weiterentwicklung des Frankenberger Dampfmaschinenmuseums erarbeitet. Er sieht beste Entwicklungschancen. (Foto:rou) |
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Wie
kann das Dampfmaschinenmuseum in Unternehmenspark Nord
weiterentwickelt werden? Dieser Frage ist der selbständige
Kulturhistoriker Dr. Thilo Warneke im Auftrag
der Gemeinnützigen Frankenberger Museumsgesellschaft
nachgegangen. Sie ist der Träger des Dampfmaschinenmuseums auf
dem einstigen Stoecker - Gelände Und der Museumsberater sieht
nach einer Analyse und der Ausarbeitung eines ersten Rohkonzepts
beste Chancen, das Museum so auszubauen, dass Frankenberg zu
einem wichtigen Museumsstandort für Nordhessen und die
benachbarten Bundesländer werden kann.
In naher Zukunft soll die Ausarbeitung dem Museumsbeirat, in dem
auch die die Politik und die Wirtschaft vertreten sind, sowie der
Mitgliederversammlung präsentiert werden. Sollten sich beide
Gremien dafüür aussprechen, könnte der nach dem vorgelegten
Rohkonzept ungefähr 100.000 Euro teure Ausbau in ein bis zwei
Jahren realisiert werde. In der Finanzierung sieht Günter Beil
als Geschäftsführer der Museumsgesellschaft kein Problem. Aus
eigenen Mitteln, einem gezielten Sponsoring sowie mit öffentlichen
Zuschüssen sei die Warneke - Vorlage oder eine modifizierte
Version zu verwirklichen. Nicht zuletzt vertraut er auf den Förderverein
um den Vorsitzenden Klaus Hartmann. "Denn was die
ehrenamtlichen Mitglieder in den vergangenen Jahren durch ihr großes
Engagement aufgebaut haben, geht weit über die Grenzen hinaus."
Rückenwind hat Warneke bei seiner Ausarbeitung durch eine Studie
bekommen, die sich mit der "Industriekultur in Nordhessen"
befasst. Dabei wurde der Bestand an Museen und
industriegeschichtlichen Denkmalen erfasst sowie in Kategorien
gegliedert. D´as Frankenberger Dampfmaschinenmuseum belegt in
der Rangliste einen Mittelfeldplatz. Hauptkritikpunkt: Das Museum
hat keine regelmäßigen Öffnungszeiten, bietet aber gute
Voraussetzungen. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass trotz des
Potenzials in der Region die Aufarbeitung und die Darstellung der
Industriegeschichte Nordhessens eine Lücke in der
Museumslandschaft ist, betont der Kulturhistoriker.
Maschinen und Geschichte
| Diese Heissdampflokomobile
war bis 1993 bei der Firma Stoelcker im Einsatz (Foto: rou) |
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Warneke
ist überzeugt, dass Frankenberg mit seinem Dampfmaschinenmuseum
diese Lücke schließen kann. "Es reicht aber nicht aus, die
Maschinen nur hinzustellen, dondern es muss Kulturgeschichte
geschrieben werden und auch nach Menschen gefragt werden, die mit
Dampfmaschinen zu tun hatten und die selber die Auswirkungen der
Industrialisierung erlebt haben." Schwerpunkte des Museums könnten
fünf grobe Themen sein: Industriegeschichte und Pioniere,
Auswirkungen der Dampftechnik auf auf Landwirtschaft und
Handwerk, Mobilität und Straßenbau, Industrie sowie die Firma
Otto Stoelcker (siehe Text weiter unten).
Beil sieht in diesen Plänen die Chance, das Frankenberger Land
als beachteten Museumsstandort auszubauen. Er verwies auf das
Thonet - Museumsowie das Viessmann - Werksmuseum in Allendorf.
Hinzu kommt das Kreisheimatmuseum. "Es lohnt sich schon,
einen Museumstag in Frankenberg zu machen", so der Geschäftsführer.
Warneke hält etwa 10.000 Besucher pro Jahr für ein
realistisches Fernziel - bei einem Einzugsgebiert von hundert
Kilometern. Hinzu käme der Tourismusfaktor. Bei 3, 1 Millionen
Übernachtungen im Kreis pro Jahr und der durchschnittlichen
Aufenthaltsdauer von 4,7 Tagen würde ein solches Museum
sicherlich von Touristen gerne und gut angenommen. Außerdem baut
er auf die über 20.000 Schülerinnen und Schüler im Kreis. Die
Themen Industrialisierung und Arbeitswelten seine feste
Bestandteile der Lehrpläne. "Ziel könnte sein, dass jeder
Schüler im Laufe seiner Schulzeit auch einmal das Museum besucht
hat, um die Theorie auch in der Praxis zu erleben."
Die von Warnecke bei seinem Rohkonzept auf etwa 100.000 Euro
bezifferten Kosten setzen sich aus der Anschaffung von Inventar
zusammen: vom Video-Beamer über Beleuchtung bis zu Fahnen und
Text - Bild - Tafeln. 30.000 Euro würden nach seiner Vorlage auf
Dienstleistungen entfallen: von der Recherche der Themen über
die Auswertung sowie die Einarbeitung der Infomaterialien bis zur
wissenschaftlichen Begleitung des Projekts. Geld für künftige
Exponate ist in der Berechnung bislang nicht vorgesehen - schließlich
ist das Museum mit den rund 80 "Zeitzeugen der
Industrialisierung" gut ausgestattet.
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Museumsberater empfiehlt fünf Themen für die Dauerausstellung - "Lebendiges Museum" mit Exponaten zum Anfassen
Industrialisierung am Beispiel der Firma Stoelcker
Frankenberg (rou). In seinem Rohkonzept hat Museumsberater Dr. Thilo Warneke fünf Schwerpunkte für deas erweiterte Dampfmaschinenmuseum ausgearbeitet. Präsentiert werden könnten sie in sechs verschiedenen Räumen.
Raum 1: Schon der erste Eindruck soll die Besucher neugierig machen.Garderobe, Kasse und Museumstheke werden von alten Rohrleitungen umgeben.
Raum 2: In ihm könnte ein Modell einer Dampfmaschine stehen - zum Ausprobieren. Mit Muskelkraft soll der Besucher Strom erzeugen, um das Prinzip der Dampfmaschine zu verstehen. Zehn ausgewählte Erfinder. die "Pioniere der Dampfkraft" skizzieren die Geschichte der Dampfmaschinenentwicklung. Weiter geht es mit dem Thema: Industrialisierung in Nordhessen . mit einer Beamer - Präsentation. Sie zeigt die wichtigsten Entwicklungsschritte einer von der Landwirtschaft geprägten Region zum Industriestandort. Dieser Raum soll zudem Platz für Sonderausstellungen bieten. Denn auch künftig sollen kulturelle Veranstaltungen - von von Musik über Theater bis zur Kunst - Raum im Unternehmenspark finden. Themen für Sonderausstellungen könnten Stühle der Firma Thonet oder Viessmann - Kessel sein.
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| "Sommer
- Nacht - Licht" am Museum war eine Aktion der Theater - AG der Edertalschule ...................... (Foto: rou)..................... |
Revolution in der
Landwirtschaft - eine dampfbetriebene Dreschmaschine (Foto: rou) |
Raum3: zeigt "Die Dampfkraft in der Landwirtschaft und im Handwerk" Am Beispiel Pflügen und Korndreschen sollen Auswirkungen der Dampfmaschine auf die Lebens- und die Arbeitswelt der Menschen beleuchtet werden (neue Berufe, Landflucht, Auswanderung).
Raum 4: beschäftigt sich mit "Dampfkraft und Mobilität". Als Beispiel könnte der Strassenbau dienen. Zudem wird die Verkehrssituation Frankenbergs am Schnittpunkt zweier bedeutender Handelsstraßen verdeutlicht.
| Dutzende
kleine und große Pfeifen - Blickfang im Dampfmaschinenmuseum (Foto: rou) |
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Raum5: Mit Exponaten und Fotos sollen die Anwendungsgebiete der revolutionären Dampftechnik in den verschiedenen Industriezweigen - zum Beispiel einer Hafenanlage - erläutert werden.
Raum 6: der Dauerausstellung soll sich der Firma Otto Stoelcker widmen. Zum Veranschaulichen sollen Interviews mit ehemaligen Mitarbeitern der ehemaligen Frankenberger Stuhlfabrik gefilmt werden. Ihre Aussagen zum Produktionsablauf, Vertrieb, Buchführung und auch den Sozialleistungen dieser Zeit können von den Besucherm an verschiedenen DVD - Terminals verfolgt werden. Aussedem sollen Stolcker - Fabrikate ausgestellt werden. Der Produktionsablauf vom Holzstück zum fertigen Stuhl könnte per Zusammenarbeit mit der Firma Thonet erklärt werden. Mittelpunkt des Themenblocks soll die Lokomobile sein.
Außenbereich: Die Fläche lädt zum Pausieren ein. An Aktionstagen werden Dampfmaschinen vorgeführt.
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