5. Die Kesselsysteme
Die verschiedenen Kesselkonstruktionen unterscheiden sich hauptsächlich durch die Form, die man der Heizfläche gibt, und die Führung der Heizgase an ihnen entlang, sowie durch die Größe der Dampf- und Wasserräume im Verhältnis zur Leistungsfähigkeit. Die wichtigsten Systeme, zwischen denen es zahlreiche Übergangstypen gibt, die die Vorteile mehrerer in sich vereinigen, sind folgende:
a) Die Walzenkessel sind zylindrische Gefäße von erheblicher Länge, innen mit Wasser gefüllt und von außen geheizt. Diese Kessel sind einfach herzustellen, bequem zu reinigen und haben eine große Wassermasse, dagegen eine kleine Heizfläche. Oft werden zwei oder mehr Walzen zu einem System vereinigt, um größere Heizfläche zu erzielen.
b) Die Flammrohrkessel sind in ihrer äußeren Form Zylinder, die von einem oder zwei Rohren der Länge nach durchsetzt sind. Diese Rohre sind in dem vorderen Ende mit einem Rost ausgerüstet, so daß sich die Feuerung im Rohre selbst befindet und die sonst von dem Mauerwerk ausgestrahlte Wärme im Kessel bleibt. Die Heizgase werden außen um den Kessel herum geführt, nachdem sie das Flammrohr durchzogen haben. Die Flammrohre, die 700 - 1300 mm weit sind, werden, da sie durch äußeren Druck beansprucht sind, gegen Zusammendrücken durch besondere Versteifungen gesichert. Teils dienen dazu die Verbindungen der einzelnen Rohrschüsse, teils werden in die einzelnen Schüsse senkrecht zur Rohrachse Querrohre eingesetzt
(Gallowayrohre), die nicht nur eine wirksame Versteifung bilden, sondern auch den Wasserumlauf beschleunigen und damit zu einer schnelleren Dampfentwicklung beitragen (Abb.27)
In anderer Weise wird die Versteifung dadurch erzielt, daß die Flammrohre der Querrichtung nach mit Wellen versehen sind. Diese Rohre sind zugleich elastischer als die glatten Rohre, was wegen der Wärmeausdehnung erwünscht ist.
c) Die Heizröhrenkessel haben anstatt der Flammrohre 100 oder mehr enge Röhren, die den Kessel der Länge nach durchziehen. Dadurch wird eine große Heizfläche gewonnen, der Heizgasstrom in zahlreiche dünne Strahlen geteilt und eng mit der Heizfläche in Berührung gebracht. Die Feuerung ist auch hier im Innern des Kessels in einem besonderen kistenförmigen Raume (der Feuerkiste oder
Feuerbüchse). Diese Kessel werden besonders für Lokomotiven, Lokomobilen und Torpedoboote verwendet.
d) Kombinierte Kessel
Bei dieser Konstruktion ist man von der Absicht ausgegangen, die Vorteile von Flammrohrkessel und Heizröhrenkessel zu vereinigen, ohne den Nachteil des letzteren, der in der Feuerkiste mit ihren ebenen Wandungen besteht, mit in den Kauf zu nehmen. Zwei übereinander liegende zylindrische Kessel sind durch Stützen miteinander verbunden. Der untere enthält 2 Flammrohre, der obere entweder ebenfalls Flammrohre mit Gallowayröhren oder Heizröhren. Entweder ist der untere Kessel ganz mit Wasser gefüllt und im oberen ein Dampfraum vorhanden, oder in beiden Kesseln sind Wasser- und Dampfräume, die unter sich in Verbindung stehen. Letztere Anordnung hat den Vorzug, daß die aufsteigenden Dampfblasen nicht den Weg durch das Wasser des Oberkessels zu nehmen brauchen, weshalb der entwickelte Dampf trockener bleibt. Diese Kessel haben einen guten Wirkungsgrad und vereinigen auf verhältnismäßig geringer Grundfläche eine große Heizfläche (Abb.28).
e) Zylinderkessel
In dem unteren Teil des Kessels, der bis 4,5 m Durchmesser hat, aber verhältnismäßig kurz gebaut wird, befinden sich 2 - 4 Flammrohre, die jedoch nicht ganz durch den Kessel hindurchgeführt, sondern an ihrem hinteren Ende durch eine Feuerkiste vereinigt werden. Von dem oberen Teil der Feuerkiste führen zahlreiche Heizröhren wieder zur vorderen Kesselseite. Die Feuergase durchziehen den Kessel also zweimal in entgegengesetzter Richtung. Diese Kessel erfordern wegen ihres großen Durchmessers erhebliche Wandstärke und kräftige Verankerung der ebenen Flächen. Sie werden besonders als Schiffskessel gebraucht (Abb.29)
f) Wasserrohrkessel
Diese Kessel bestehen in der Hauptsache aus einem System von Röhren, die von Wasser durchflossen und außen von den Heizgasen oder der Flamme berührt werden. Oberhalb des Rohrsystems, mit ihm in Verbindung stehend, befindet sich ein zylindrischer Kessel, der etwa zur Hälfte mit Wasser gefüllt ist und Raum zur Sammlung des aus Röhren austretenden Dampfes bietet. Da die Verdampfung der geringen in den Röhren befindlichen Wassermenge sehr schnell erfolgt, muß für stetigen ungehinderten Zufluß neuen Wassers ebenso wie für eine glatte Ableitung des entwickelten Dampfes gesorgt werden. Durch die Mittel, mit denen das erreicht werden soll, unterscheiden sich die verschiedenen Systeme der Wasserrohrkessel voneinander. Von ihnen seien zwei Konstruktionen hervorgehoben, die weit verbreitet sind:
Bei dem Steinmüller-Kessel (Abb.30) ist das schräg liegende Röhrenbündel an jeder Seite mit einer Wasserkammer von der Form einer flachen, mit dem Oberkessel in Verbindung stehenden Kiste vereinigt. Bei der Erhitzung der Röhren steigen die leichten Dampfblasen nach dem oberen Ende der Röhren, in die vordere Wasserkammer und durch diese in den Oberkessel. Das bei den heftigen Bewegungen mitgerissene Wasser tropft dort wieder herab; durch die hintere Wasserkammer fließt aus dem Oberkessel fortwährend frisches Wasser in das Rohrsystem hinab. Die Heizgase werden in mehrfachen Windungen teils quer, teils längs der Rohrachse durch das Rohrsystem hindurchgeführt.
Bei einem anderen System, dem Dürr-Kessel (Abb.31), ist nur die eine, die vordere Wasserkammer vorhanden, diese aber durch eine Mittelplatte in Hälften geteilt. In die letztere Hälfte sind an beiden Enden offene Röhren von geringerem Durchmesser eingesetzt; sie reichen tief in die eigentlichen Wasserrohre hinein. Der Wasserinhalt dieser Wasserrohre wird dadurch in zwei Schichten geteilt. Die äußere von ringförmigem Querschnitt wird durch die Feuerung zunächst erwärmt; Wasser und Dampfblasen steigen schräg aufwärts durch die eine Hälfte der Wasserkammer in den Dampfraum des Oberkessels; aus diesem sinkt das Wasser durch die zweite Hälfte der Wasserkammer, an der Zwischenplatte vorbei, in die inneren Röhren und tritt an deren unterem Ende aus in die weiten Wasserrohre.
Die Vorzüge der Wasserrohrkessel bestehen in ihrem geringen Gewicht im Verhältnis zur Heizfläche, deren Größe für einen Kessel bis 400 qm betragen kann. Sie werden deshalb mit Vorliebe in städtischen Betrieben verwendet, wo die Bodenfläche teuer ist und gelegentlich das Kesselhaus in einem Stockwerk über den Maschinen angeordnet wurde.
Das Gewicht ist deswegen gering, weil man wegen der kleinen Durchmesser mit dünnen Wandungen für Kessel und Rohre auskommen kann und außerdem der Kessel weniger Wasser enthält. Wegen der geringeren Wassermenge geht auch das Anheizen ziemlich schnell von statten. Dem gegenüber steht die schwierigere Reinigung, wofür man gereinigtes Speisewasser verwendet, und der ziemlich nasse Dampf, den diese Kessel produzieren.
g) Wasserrohrkessel mit engen Röhren
Die vorgenannten Eigenschaften kommen in noch gesteigerten Maße bei den engrohrigen Kesseln zur Geltung, die hauptsächlich für Kreuzer und Torpedoboote Verwendung finden; besonders aber die Eigenschaft der schnellen Dampfentwicklung vom kalten Zustande aus. Um die Wärmeausdehnung unschädlich zu machen, sind die Rohre nicht gerade, sondern gekrümmt. Dadurch wird die Reinigung erschwert, so daß besonders reines Speisewasser verwendet werden muß. Diese Kessel, von denen besonders die Konstruktionen von Narrow, Thornycroft und Schulz zu erwähnen sind, bestehen aus einem weiten oberen und mehreren engen unteren Kesseln, in die das kühlere Wasser durch weite Röhren herabfällt, während der Dampf und das heißere Wasser durch die zahlreichen engen Röhren von etwa 30 mm Innendurchmesser aufsteigen. Diese Rohre sind gekrümmt, damit sie sich bei der Erwärmung leichter ausdehnen und verbiegen können, ohne in den Befestigungsstellen undicht zu werden.
Abb.32 stellt einen Schulz-Kessel dar. Dieser hat etwa das halbe Gewicht eines Zylinderkessels für die gleiche Leistung, während ein Dürr-Kessel, der ebenfalls in ausgedehntem Maße für Kriegsschiffe verwendet wird, 2/3 vom Gewichte des Zylinderkessels hat. Diese Kessel liefern schon 3/4 Stunden nach dem Anheizen Dampf von betriebsfähiger Spannung.
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