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6. Das Kesselspeisewasser

Die Beschaffenheit des Wassers ist für jeden Dampfmaschinenbetrieb von so großer Wichtigkeit, daß man es bei sorgfältigen Vorarbeiten nicht unterlassen wird, vor Aufstellung des endgültigen Projekts eine chemische Untersuchung des Wassers vorzunehmen.
Von dem Ergebnis dieser Analyse hängt es ab, ob man Flammrohr- oder Wasserrohrkessel wählt, ob ein Wasserreiniger nötig ist oder nicht. Geeignet für die Kesselspeisung ist weiches Wasser. Hartes Wasser enthält aufgelöste Mengen von schwefelsaurem Kalk oder kohlensaurem Kalk und von Magnesiasalzen. Bei der Verdampfung bleiben diese Bestandteile im Kessel zurück und setzen sich als harte Kruste, Kesselstein genannt, an den Wandungen fest. Dadurch wird der Kessel auf zweierlei Weise geschädigt. Weil der Kesselstein ein schlechter Wärmeleiter ist, wird die Wärmeübertragung und damit die Wirksamkeit der Heizfläche verringert; der Kessel erzeugt nicht mehr soviel Dampf wie vorher; aus demselben Grund werden die feuerberührten Wandungen viel heißer als im normalen Betriebe, verlieren an Festigkeit, werden ausgedehnt und verbogen. Erhält nun bei solchen, wenn auch kleinen Bewegungen der Kesselwände, die Kesselsteinschicht Risse, so dringt auf einmal Wasser an die heißen Wandungen, wird plötzlich bei großer Spannungssteigerung verdampft, und die Gefahr einer Explosion ist nahe. Deshalb muß von Zeit zu Zeit der Kesselstein, der unter Umständen sehr hart ist und die Dicke von 2 cm erreichen kann, abgeklopft und entfernt werden. Das ist immer mit einer Störung des Betriebes verbunden.
Ein zweiter Feind des Kessels ist das Öl, das an den Kessel gelangt, wenn man das aus dem Einspritzkondensator abfließende Wasser verwendet. Das Öl hat ebenfalls die Wirkung, die Wärmeübertragung zu verschlechtern. Die Reinigung des Wassers geschieht vor der Einführung in den Kessel durch Zusatz von Soda und Kalkmilch, am wirksamsten in erwärmtem Zustande; dabei werden Kalkverbindungen gefällt und setzen sich in dem
Mischgefäß zu Boden. Die Menge der Zusätze wird nach der chemischen Analyse bestimmt, und die Zuführung erfolgt selbsttätig durch eine Laugepumpe. Bei verhältnismäßig großen Mischgefäßen wird die Klärung des Wassers erreicht, indem die herausgefällten Kesselsteinbildner langsam zu Boden sinken und das Wasser oben geklärt abfließt. Bei Reinigungsvorrichtungen mit kleinerem Mischgefäß geht das trübe Wasser erst durch eine Filterpresse; in dieser bleibt auch das Öl zurück.

Ende

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