zurück - uebersicht - weiter
Die Dampfmaschinen
1. Geschichtliche Notizen
Unter den krafterzeugenden Maschinen nehmen die Dampfmaschinen, was ihre Anzahl (1905 !!) und die Größe ihrer Leistung anbetrifft, zur Zeit den Vorrang ein.
Der Grund für diese Erscheinung liegt in zwei Umständen: Im Gegensatz zu anderen Maschinen sind sie nicht an eine bestimmte Örtlichkeit gebunden, sondern können überall dort ihre Kraft entfalten, wohin Brennmaterial geschafft werden kann; somit ist ihre Verwendungsfähigkeit fast unbeschränkt.
Ferner kann die Dampfmaschine auf die längste Entwicklungszeit zurückblicken und hat durch ständige Verbesserungen während mehrerer Generationen einen hohen Grad an technischer Vollendung erreicht. Die industrielle Entwicklung des vorigen Jahrhunderts wurde durch sie eingeleitet, ja erst ermöglicht.
In rascher Folge sind ihr dann, besonders in den letzten zwei Jahrzehnten, (1880 - 1900) Konkurrenten im Gasmotor und in der Turbine erwachsen, und es ist noch nicht abzusehen, welcher dieser drei großen Krafterzeuger schließlich an der Spitze stehen wird.
Die Anwendung des Dampfes zur Krafterzeugung bedingt die Kenntnis einiger physikalischer Gesetze, deren
Entdeckung der Erfindung der Dampfmaschine vorausgehen mußte.
Diese Kenntnisse fehlten den Gelehrten des Altertums, wie Archimedes von Syrakus, dem die Idee einer Dampfkanone zugeschrieben wird, und Heron von Alexandrien, der die Reaktion des ausströmenden Dampfes zur Drehung einer Kugel benutzte. Heron hatte die Auffassung, daß durch das Feuer aus dem Wasser Luft erzeugt werde, also noch keine Vorstellung von dem Wesen des Dampfes.
Erst als der Italiener Toricelli, ein Schüler Galileis, 1643 die Schwere der atmosphärischen Luft entdeckte und damit die mit dem Vakuum verbundenen Erscheinungen erklärt hatte, war die Grundlage für die ersten Anwendungen der Dampfkraft gegeben.
Dionysius (Denis) Papin, geboren 1647 zu Blois in Frankreich, wird mit Recht als der Erfinder der Dampfmaschine bezeichnet, da von ihm die erste tatsächlich brauchbare Dampfmaschine gebaut wurde. Seine Erfindungen, von denen hier nur der Dampfkochtopf, noch heute Papinscher Topf genannt, sowie das Projekt einer Pulvermaschine erwähnt seien, machte er zum großen Teil in Marburg, wohin er aus England als Professor berufen war.
Die Toricellische Entdeckung wandte er in folgender Weise an:
In einem Gefäß wurde durch Heizung Dampf erzeugt und dieser in einen Zylinder, der oben mit einem Kolben verschlossen war, hineingeleitet.
Dann wurde die Feuerung entfernt, der Dampf schlug bei der Abkühlung als Wasser nieder und in den entstehenden luftverdünnten Raum drückte die atmosphärische Luft den Kolben hinunter; dabei konnte er mit Hilfe einer verzahnten Stange eine Welle drehen oder eine andere Arbeit leisten. Durch abwechselndes Anheizen und Abkühlen wurde der Betrieb durchgeführt. Wenn auch solches Arbeiten recht schwerfällig war, so stellt diese Erfindung doch einen bedeutenden Fortschritt dar, weil es zum ersten Male gelang, die in der Wärme des Dampfes enthaltene Energie zur Arbeitsleistung zu benutzen.
Die Tätigkeit Papins ist umso höher zu bewerten, als es zu seiner Zeit weder Maschinenfabriken noch geübte Metall-arbeiter gab, er also seine Ideen größtenteils eigenhändig ausführen mußte. Mit manchen Widerwärtigkeiten hatte der Erfinder zu kämpfen,trotz zeitweiliger Unterstützung seines Landesherrn, dem Landgrafen von Hessen. Denis Papin starb schließlich in dürftigen Verhältnissen.
Unabhängig von Papin erfand 1688 der Engländer Savery eine Vorrichtung zum Wasserheben, die wir als kolbenlose Dampfpumpe bezeichnen können, da das Heben des Wassers durch direkten Druck auf das Wasser bewirkt wurde.
Eine Verbesserung gegenüber der Maschine Papins erreichte der Engländer Newcomen dann um 1700, indem er die Kondensation des Dampfes und damit die Luftleere durch Einspritzen von kaltem Wasser in den Zylinder bewirkte, anstatt durch Entfernen der Feuerung; dadurch wurde das Kolbenspiel schneller.
Zur Übertragung der Kolbenkraft benutzte er einen um eine Achse schwingenden Balken, den Balancier. Um nun abwechselnd Dampf und Wasser in den Zylinder hineinzulassen und das Kondensat zu entfernen, mußten von einem Arbeiter Hähne geöffnet und geschlossen werden. Diese Arbeit soll von einem Knaben, Humphry Potter, dem sie zu lästig war, durch einige Hebel und Stangen der Maschine selbst übertragen worden sein.
Die Newcomensche Maschine war lange Zeit ohne Wettbewerb, sie wurde in vielen Exemplaren gebaut, auch aufs europäischen Festland geliefert und hauptsächlich zum Heben von Wasser aus den Kohlen- und Erzgruben verwendet.
Ihre Wirkung war jedoch noch recht unvollkommen; im Verhältnis zu ihrer Leistung waren Gewicht und Raumbedürfnis groß und der Kohlenverbrauch derart hoch, daß ihr Nutzen letztlich zweifelhaft wurde.
Durch die Erfindungen des Schotten James Watt, wurden weitere bedeutende Fortschritte herbeigeführt.
Er hatte als Mechaniker an der Universität Glasgow das Modell einer Newcomenschen Maschine zu reparieren und studierte dabei deren Mängel.
Als Ursache des großen Dampfverbrauchs fand er die direkt im Dampfzylinder erfolgende Kondensation, wodurch der Zylinder stark abgekühlt wurde und dann durch frischen Dampf erst wieder erwärmt werden mußte. Seine erste Erfindung war 1664, daß er die Kondensation des Dampfes in einen besonderen Raum verlegte, den Kondensator, der mit dem Zylinder durch ein Rohr verbunden war.
Noch wichtiger waren die Erfindung der direkt wirkenden Dampfmaschine, bei der die Bewegung des Kolbens nicht mehr durch den Luftdruck, sondern durch den Druck des gespannten Dampfes selbst erfolgte, und die Ausnutzung der Expansion des Dampfes. Auf diesen beiden Erfindungen beruhen noch unsere heutigen Dampf-maschinen; sie sind alle direktwirkend im Gegensatz zu den vor Watt gebauten atmosphärischen Dampfmaschinen.
Außerdem rühren von ihm zahlreiche konstruktive Einzelheiten von bleibendem Werte her. Er wandte den Kurbeltrieb auf die Dampfmaschine an, der schon vorher als Handkurbel oder Tretkurbel bekannt war, ebenfalls das Schwungrad; er erfand den Zentrifugalregulator, der in der von ihm gewählten Form noch jetzt die Umlaufszahl von Maschinen regelt.
Im Gegensatz zu Papin ist es James Watt geglückt, die Früchte seiner ausdauernden wissenschaftlichen und praktischen Tätigkeit zu ernten.
Weitblickende Industrielle, zuerst Dr. Roebuck, dann Boulton stellten ihm Mittel für seine Arbeiten zur Verfügung. Mit dem letzteren gründete er in Soho eine Fabrik zur Herstellung von Dampfmaschinen; denn die Nachfrage war in England infolge des weiteren Ausbaus der Kohlegruben und der Anwendung des Maschinenbetriebes auf andere Gebiete sehr gestiegen.
Als weitere Marksteine in der Geschichte der Dampf-maschine seien erwähnt, daß im Jahre 1807 der von dem Amerikaner Fulton erbaute Dampfer "Clermont" die ersten regelmäßigen Fahrten auf dem Hudson begann und 1829 bei Liverpool eine Wettfahrt zwischen den Lokomotiven verschiedener Erfinder stattfanden, bei der die von George Stevenson gebaute "Rocket" den ersten Preis erhielt.
Neben den genannten gab es noch zahlreiche Männer, die durch Scharfsinn und unermüdliche Tätigkeit teils auf dem Gebiete wissenschaftlicher Untersuchungen, teils in der Praxis die Entwicklung der Dampfmaschine bis zu ihrem heutigen Stand (1905) geführt haben.
zurück - uebersicht - weiter
o