Frankenberger Zeitung am 09.05.2003
Theater-AG der Edertalschule probt für außergewöhnliches Stück - Premiere ist am 21.Mai im Unternehmenspark
Mit Goethes "Faust" ab in den "Wilden Westen"
FRANKENBERG (r). Die Theater-AG der Edertalschule hat sich in diesem Jahr etwas Außergewöhnliches vorgenommen: Sie spielt Goethes Meisterwerk "Faust" - aber in einer eigenwilligen Weise: In der Version der Gymnasiasten wird Faust von Mephisto nicht in die Hexenküche und auf den Brocken geführt, sondern die beiden fliegen nach Westen - und das gleich in vierfacher Ausführung.
Die Theater-AG der Frasnkenberger Edertalschule studiert derzeit für ihr neues Stück "Vier Fäuste für ein Halleluja" ein - dafür haben die Gymnasiasten den Klassiker von Goethe abgewandelt und in den "Wilden Westen" versetzt. Auch gestern fanden in der alten Turnhalle Proben statt. (Foto: pr) "Die Idee war zunächst nur eine Schnapsidee", erläutert der Leiter der Theater-AG, Paul Möllers. Der Titel des Italo-Westerns "Vier Fäuste für ein Halleluja" mit Bud Spencer und Terence Hill habe der Gruppe die Inspiration gegeben: "Warum soll Faust sich nicht plötzlich in einem Western befinden? Und da der Titel es schon vorgab: Warum nicht gleich vier Fäuste?"
Schnapsidee entwickelt
Die Schüler spannen die "Schnapsidee" also weiter und entwickelten gemeinsam Übertragungsmöglichkeiten des klassischen Stücks. Sie befassten sich mit Western-Filmen und Western-Musik. Dabei wurde deutlich, dass viele Streifen schon eine Parodie auf die Entstehungszusammenhänge Nordamerikas waren: Der starke Mann löst mit der Knarre in der Hand alle Probleme. Deshalb reizte es die Theater-AG, in das Stück Parodien auf den "American Way of Life" einzubauen. "Der Irak-Krieg und das selbstherrliche Vorgehen der USA haben uns darin bestärkt, die Parodien auf das Western-Land zuzuspitzen", sagte Möllers.
Mit Goethes "Faust" sei die Theater-AG "respektlos" umgegangen. Sie habe nicht einfach gekürzt, sondern nur die textpassagen herausgesucht, die ihr für das Verständnis der Handlung unverzichtbar erschienen. Die Auswahl der Textstellen sei durchaus einseitig, denn die Figur des Faust komme als Mann nicht so gut weg. Einige passagen wurden auch verändert.. Die Theater-AG verspricht allerdings: Auch Zuschauer, die die Goethes "Faust" nicht kennen, können die Handlung gut verfolgen.
Goethe - Liebhaber und Faust-Fans kämen auf ihre Kosten und würden mehr als einmal überrascht, welche ungewöhnlichen Sichtweisen diese besondere Inszenierungsweise ermögliche. Dabei eröffne neben der Verlagerung der Handlung in den "Weste(r)n" vor allem die Vervierfachung von Faust, Mephisto und Gretchen neue Dimensionen. Denn die Charaktereigenschaften der Figuren wurden aufgeteilt, um sie deutlicher sichtbar zu machen. So erscheine Faust als "Kopfmensch", "Naturmensch", "Suizidmensch" und "Genussmensch" vierfach auf der Bühne. Folgerichtig wohnen dann auch nicht zwei, sondern vier Seelen in seiner Brust.Schießwütige Cowboys
Zur Handlung: Auch in der Version der Theater-AG trifft Mephisto einen frustrierten Faust und geht mit ihm einen Pakt ein. Mephisto versucht, Faust in die Vergnügungen des Lebens einzubinden. Zu diesem Zweck fliegen sie los - und befinden sich augenblicklich im "goldenen Westen" mit seiner Reklame-Welt und seinem Schönheitswahn. Anschließend finden sie sich in einem Western-Saloon wieder, in dem sich Sängerinnen und schießwütige Cowboys tummeln. Selbstverständlich findet Faust dann auch sein Gretchen, und die Tragödie nimmt ihren Lauf.
Spielort ist auch in diesem Jahr das Dampfmaschinen-Museum im Unternehmenspark Nord bei Schreufa. Die Premiere ist am Mittwoch, 21.Mai. Weitere Aufführungen sind am Freitag, 23., Samstag, 24., und Sonntag, 25. Mai, jeweils um 20 Uhr.
Der Eintritt beträgt 5 und 7 Euro. Karten im Vorverkauf gibt's bei "Bücher Battefeld" und im "Lädchen" gegenüber der Schule.