Legende einer Lokomobile
Guten Tag! - gestatten Sie, daß ich mich vorstelle:
Mein Name ist Asto, ich bin eine Verbundlokomobile. Mein Betriebsdruck ist 15 bar, ich leiste 210 - 310 KW (285 - 420 PS) bei 200 Umdrehungen in der Minute.
Meine Fabriknummer ist 3059 und gebaut wurde ich 1934 in der Firma Assmann & Stokder für das Dampfsägewerk Geb. Kohler in Schweigern / Baden-Württemberg.
Ich arbeitete dort bis 1939, dann stellte man mich ab. Die Firma Kohler kaufte eine größere Lokomobile. Nach 10 Monaten wurde ich an die Möbelfabrik Stoelcker in Frankenberg/Eder verkauft. Diese Firma hatte noch eine Buckau - Wolf Lokomobile von 250 PS in Betrieb.
In Frankenberg bekam ich ein neues Rohrsystem, auch wurde mein Kessel vom TÜV abgenommen.
Im Krieg mußten wir beide schwer arbeiten; man holte bei uns das Letzte heraus. 1951 bekam ich eine automatische Feuerung, und mein Kessel ein neues Rohrsystem. Die Rauchkammerrückwand und der Überhitzer wurden erneuert, und eine geschweißte Feuerbuchse anstelle der genieteten bekam ich auch. In meinem Kesselhaus wurde eine Rauchgasvorwärmanlage (Economiser) von der Firma Föge Wärmefang KG, Hannover, aufgestellt.
Da die Wolf - Maschine und ich großen Hunger hatten, mußte die Firma Stoelcker noch zusätzlich große Mengen Holzabfälle zum Verfeuern hinzukaufen. Bald stellte man fest, daß meine Feuerung zu klein sei! Die Firma Lambion bekam den Auftrag, mir eine größere Feuerung zu bauen. In den Feuerungswagen baute man ein Kühlsystem ein, das in direkter Verbindung mit dem Kessel steht.
Der Hersteller war Siller & Jamart in Wuppertal.
Im Dezember 1982 konnte mein Heizer meinen Kessel nicht speisen, da die Speisepumpe und der Injektor kaputt gingen. Der Werkmeister verbot dem Heizer, den Kessel abzustellen.
Das Unheil geschah: die vordere Kesselwand und die Flammrohre verbogen sich. Die Firma Georgi aus Spangenberg mußte den Schaden beheben; jetzt bekam ich eine Automatische Kesselspeiseanlage, und man baute mir einen Ölbrenner an die Feuerung.
1988 brauchte ich nicht zu arbeiten; aber meinen Kessel heizte man noch. Das ging so bis 1993, dann stellte man mich ab, - aus! - das war es.
1995 meldete die Firma Stoelcker Konkurs an, sie war pleite.
Um ein Haar wäre ich verschrottet worden! Eine Supermarktkette wollte die Fabrik kaufen. Die Geschäftsleute in Frankenberg sind schlauer gewesen, sie erwarben die Stoelcker - Fabrik.
Es soll alles stehen bleiben, auch ich werde erhalten. Sie wollen dort ein Industriemuseum aufbauen.
Dann soll ich auch wieder laufen. Wenn sie mein Blechkleid schön anstreichen, sehe ich wieder jung aus, trotz meiner 64 Jahre, die ich 1998 auf dem Buckel habe.
Hoffentlich sehen wir uns mal, ich würde mich freuen!
Ihre Asto - Lokomobile
K.L. Grebe
History of a locomobile
Hello! - Would you like me to present myself?
My name is Asto, I am a combine - locomobile. My regular compression is 15 bar, i.e. 217,5 psi, for a power of 210 -310 kW (281 - 415 HP) at 200 rotations per minute.
My fabrication number is 3059 and I was constructed by Assmann & Stokder in 1934, destinated for the steam-sawmill Kohler Bros. at Schweigern / Baden-Württemberg.
Doing my job until 1939 in this place, I was then shut down, because the Kohler factory purchased a larger locomobile. After 10 months I was sold to the furniture factory Stoelcker at Frankenberg. In this factory there was another Buckau - Wolf locomobile in operation.
At Frankenberg I got a new pipe-system, and my boiler was examined by the TV (German technical supervising authority).
During World War II we had to work very hard, at the limit of our capacity.
In 1951 I got an automatic firing and my boiler a new pipe-sytem.
The backwall of the smoke-chamber and the superheater got renewe ~d, and in addition
I got a welded fire bush instead of the former riveted one, and an economizer unit was installed, from Föge Wärmefang Ltd., Hannover.
As the Wolf - machine und me were very hungry for fuel, Stoelcker had to buy additional waste firewood. After a while they realized, that my firing was to small and unefficient; Lambion Enterprise got a commission to fit me out with a better, a larger one. So I got a new cooling system, directly lined with the boiler, factured by Siller & Jamart at Wuppertal.
Im December 1982 the stoker could not heat my boiler, the feeder unit and the injector broke down. The foreman gave no permission to the stoker to turn off the boiler:
The mischief happened: the front boiler side and the flame pipes bent. The firm Georgi from Spangenberg had to remedy the damage; now I got an automatic boiler feed unit and my firing was equipped with an oi êl-burner.
From 1988 to 1993 there was no need of me to work, but my boiler was still heated, then I was finally turned off. This seemed to be the end of my life!
In 1995 Stoelcker went bankrupt.
Within a hair´s breadth I might have got scrapped!
A super-market intended to buy the old Stoelcker factory. But the businessmen of Frankenberg were clever, in a common acquisition act they gained the factory.
Anything worth to be kept should stay in is«s place, even me.
They are going to establish an industry museum there!
Maybe I«ll be reset to function? After being painted I will look quite young, and nobody estimates me to be 64 years of age (in 1998).
I hope to meet you once again! I would like it!
Your Asto - Locomobile
K.L. Grebe
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